Briefverteiler

Autistischen Menschen fällt Blickkontakt schwer. Das muss nicht heissen, dass überhaupt kein Blickontakt hergestellt wird. Ich selbst bin ja jemand, der automatisch den Blickkontakt sucht, nur kann ich ihn nicht lange aufrechterhalten. An sich ist es jedoch lange genug, dass es den wenigsten Personen besonders auffällt. Eine erzwungene Verlängerung fühlt sich für mich vor allem erst unangenehm dann schmerzhaft an.

Auch in der Ausübung der liturgischen Dienste spielt Blickkontakt eine Rolle. Im Regelfall wird er im Zusammenspiel mit dem Sprechen thematisiert. Allerdings: Im Altarraum stehen und eine ganze Gruppe von Menschen ansehen ist dann doch etwas anderes, als eine Einzelperson direkt bei sehr geringer Entfernung.

Die Lehrbriefe von Liturgie im Fernkurs gehen auch auf das Thema ein. Im 4. Lehrbrief Sprechen – Feiern – Handeln : Liturgie als Kommunikations-geschehen auf Seite 43 im 3. Kapitel Nicht-sprachliche Kommunikation, Abschnitt 2 Verschiedene Arten nonverbaler Kommunikation.

Augenkontakt
Die Blickkommunikation zwischen Menschen zeigt, wie es um die Beziehung steht. Sie kann Offenheit, Interesse, Skepsis, Liebe, Stolz, Eifersucht usw. ausdrücken. Fehlender Augenkontakt kann Desinteresse oder Ignoranz anzeigen – übrigens auch im Gottesdienst: Ein Gottesdienstleiter, der die Mitfeiernden keines Blickes würdigt, nimmt sie nicht als Subjekte und Mitträger des liturgischen Geschehens war. Einer Lektorin, die die Hörer nicht einmal anschaut, wird niemand gern zuhören; und wenn umgekehrt die Zuhörenden vom Lektro permanent mit Blicken fixiert werden, werden sie sich auch schnell unbehaglich fühlen. Es kommt also auf die Ausgewogenheit des Blickkontaktes an.

Dann muss mein Blickkontakt im Regelfall diesen Gesetzmässigkeiten der Ausgewogenheit entsprechen, denn es hat sich diesbezüglich noch niemand bei mir beschwert, wenn ich am Ambo stehe (und auch sonst nicht).

Wie ist es jedoch, Einzelpersonen direkt gegenüber zu stehen?
Das ist z.B. bei der Tätigkeit als Kommunionhelfer der Fall.

Die diversen Leit- und Richtlinien der deutschen Diözesen schweigen sich zum Thema Blickkontakt bei Kommunionhelfern aus, wie das Beispiel Rottenburg-Stuttgart zeigt.

Und schaut man in manche Internetforen, so meint man, das Entscheidende beim Kommunionempfang ist die Frage Mund- oder Handkommunion. Zusätzlich noch, ob man sich beim Kommunionempfang hinknien soll oder nicht. Oder manchmal, ob überhaupt jemand neben dem Priester die Kommunion austeilen soll.

Ist das wirklich so wichtig?
Ist es nicht wichtiger, dass ich dem, dem ich den Leib Christi reiche, auch einen freundlichen Blick zuwende?

In allen vier Evangelien steht nichts davon, dass Jesus seine Jünger beim letzten Abendmal angeblickt hat. Heisst das aber, dass er das nicht gemacht hat?

Ich erinnere mich an eine Hl. Messe im Hildesheimer Dom in meiner Jugendzeit Anfang der 1990er Jahre, in der ein mir unbekannter Priester ‚recht schnell‘ die Kommunion spendete. Ich war schon ein wenig schockiert. So kann man in einem Verteilzentrum der Post Briefe verteilen, wenn das noch von Hand geschieht und nicht automatisiert erfolgt! Auch in mancher Kirchengemeinde habe ich es vereinzelt schon erlebt, dass Kommunionhelfer den Personen, die ihnen entgegentreten, keinen Blick schenken.

Ich selbst blicke die jeweilige Person immer an. Die Zeit von der Aufnahme des Blickkontakts, bis ich den Blick senke, da ich ja sehen will wohin ich jener Person die Hostie reiche (Hand bzw. Mund) – ich will sie ja nicht versehentlich auf den Boden fallen lassen -, liegt innerhalb jenes Zeitraums, in dem ich den Blickkontakt auch halten kann.

Insofern ist mir das schon ein Anliegen, liebe Mitchristen, ob Priester oder Laie, die ihr die Hl. Kommunion spendet: Schaut Eure Mitmenschen, denen ihr die Hostie gebt, wenigstens kurz an. Selbst ich kann das und mache es. Wir sind keine Briefverteiler. Danke!

Oder ist das, was Ihr als NTs da aus den Blicken den Menschen Euch gegenüber lest, so, dass Ihr es lieber nicht lesen wollt und deswegen den Blickkontakt unterlasst?

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2 Gedanken zu “Briefverteiler

  1. Das ist interessant!
    Ich schaue als Kommunikant den Kommunionhelfer nämlich nicht an, sondern konzentriere mich auch mit den Augen auf die eucharistischen Gaben. Die Kommunion soll ja eine Begenung mit Christus und nicht mit dem Kommunionhelfer sein.
    Dabei ist mir allerdings ein würdiger Ablauf wichtig. Also dass der kommunionhelfer die Hostien nicht einfach austeilt wie ein Bonbon an Kindergartenkinder, sondern sie mit den Worten „Der Leib Christi“ zeigt und der Kommunikant mit „Amen“ antwortet.

    Eine feine Form der Interaktion gibt es bei der Kelchkommunion, die bei uns in jeder Messe üblich ist. Hier müssen beide, Kommunionhelfer und Kommunikant, erspüren, ob der jeweils andere den Kelch sicher gefasst hat.

    Ganz anders ist es dagegen mit der Segnung der Kinder, die noch nicht die Kommunion empfangen. Hier geschieht etwas von Person zu Person. Ich erinnere mich noch an eine Messe in einer Domkirche: Großaufgebot an Messdienern, Aufmarsch dens gesamten Domkapitels, feierlicher Chorgesang, aber meine Tochter war das einzige Kind in der Gottesdienstgemeinde. Ein schlaksiger langer Jungpriester kniete sich ganz selbstverständlich hin, um zur Segnung des Kindes mit ihm auf Augehöhe zu sein! Das fand ich eindrucksvoll!

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  2. „Bonbon an Kindergartenkinder“ und „Briefverteiler“ – da sehe ich keinen Unterschied. Beides beschreibt etwas, was so nicht sein soll.

    Der Blickkontakt erfolgt bei mir dann, wenn ich die Hostie aus der Schale nehme und sie dem Kommunikanten mit den Worten „Der Leib Christi“ zeige, bevor ich sie überreiche. Das ist wirklich nur ein kurzer Augenblick.

    Bei der Segnung von Kindern mit einem Kreuz auf die Stirn knie ich mich zwar nicht nieder, mache aber zumindest eine Bückling. Naja, bei knapp 2 m Körpergrösse kommt man ja sonst auch schlecht an die Kleinen heran.

    Dieses Jahr habe ich mitgeholfen an Aschermittwoch das Aschekreuz auszuteilen. Was ja bzgl. Gestik und Körperkontakt eigentlich nicht anders ist, als wenn ich bei der Kommunionausteilung bei Kindern das Kreuzzeichen auf der Stirn mache – es hat halt nur diese Asche noch zusätzlich. Da hätte ich jeweils vielleicht einen etwas festeren Druck ausüben sollen? Jedenfalls waren ‚meine Aschekreuze‘ nicht so prägnant auf den Stirnen der Gottesdienstbesucher, als diejenigen, die der Priester ausgeteilt hat.

    Tatsächlich findet sich zum Blickkontakt bei der Kommunionausteilung kaum etwas im Internet. Auf Quellen aus zwei Kirchengemeinden bin ich jedoch gestossen, wo es heisst:
    „Dienst am Menschen
    Bei der Kommunionausteilung nehmen der Kommunionhelfer Blickkontakt
    mit den Mitchristen auf, zeigt und reicht die konsekrierte Hostie
    mit den Worten „Der Leib Christi“.“
    (http://www.kath-kirche-peine.de/bho/dcms/sites/bistum/pfarreien/peinehlengel/Pfarrgemeinde/Dienste/Dienste.Kommunionhelfer)
    „Bei der Kommunionausteilung in der Hl. Messe nehmen wir Blickkontakt
    mit unseren Mitchristen auf und zeigen die konsekrierte Hostie
    mit den Worten „Der Leib Christi“.
    Das „Amen“ („so ist es“) ist dann die Antwort.“
    (http://www.kkpi.de/gruppen/kommunio.htm)

    Kelchkommunion austeilen gibt es bei uns selten, eigentlich nur an Gründonnerstag.

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