Kaugummi-Kommunion

Heute hatten wir in unserer Kirchengemeinde die diesjährige Erstkommunion.

Unsere Kirche war voll, wie sie es selbst an Weihnachten nicht mehr ist. Der erste Empfang der Hl. Kommunion ist halt noch oftmals ein Familienfest, da kommen dann sehr viele Angehörige von teilweise weit her. Weit her gilt inzwischen jedoch sowohl geographisch als auch, was die Beziehung zur Kirche und zum Glauben angeht.

Und wenn die Kirche voll ist, dann kommt es zu gewissen Situationen. Da sieht ein Kirchenbesucher vor der Messe jemanden gezielt von hinten durch das Kirchenschiff nach vorne kommen – ich sollte ja idealerweise kurz in der Sakristei Bescheid geben, dass ich anwesend bin, wenn ich als Kommunionhelfer eingeteilt wurde – und trotzdem glotzt man mich weiter blöd an, anstelle den eigenen Kinderwagen, der parallel zu einem anderen Kinderwagen steht und so den Gang unpassierbar macht, sogleich wegzuschieben. Warum stellt man seinen Kinderwagen denn eigentlich überhaupt so idiotisch hin und nicht gleich so, dass der Gang passierbar bleibt? Das sind, anbei, diese Kleinigkeiten, die Leute wie mich mit Asperger-Syndrom unter Umständen massiv aufregen können.

Es gibt den Begriff U-Boot-Christen, mit dem Menschen bezeichnet werden, die zwar getauft sind, aber nur zu besonderen Anlässen und den hohen Feiertagen auftauchen. Von jener Sorte waren sicherlich heute auch einige in der Kirche, neben denen, die sich entweder nicht zum römisch-katholischen Glauben bekennen oder zu gar keiner christlichen Konfession. Das zeigte sich mal wieder deutlich bei der Wandlung. Viele, wie der schon recht betagte Herr neben mir in der Bank, ein regelmässiger Gottesdienstbesucher in unserer Kirche, haben sich niedergekniet, so wie es üblich ist. Hingegen wurde in vielen anderen Bankreihen, denen, die für Angehörige reserviert waren, sich fast durchweg einfach hingesetzt. Die meisten Personen sahen nicht gerade so aus, als wären sie gebrechlich und übrigens sind die Kniebänke bei uns in der Kirche alle gepolstert.

Ach, das ginge ja noch! Ebenso wie die inzwischen wohl obligatorischen Personen, die nach dem Ende der Messe noch in der Bank sitzend ihr Smartphone herausholen und darauf herumdaddeln, sowie Angehörige, die während der Messe fotografieren, obwohl allen klargemacht wurde, dass ein Fotograf bestellt wurde, der offizielle Fotos macht.

Aber, da sind dann auch diese Leute, auch wenn sie es nur sehr vereinzelt sind, denen man anhand der Kaubewegungen ansieht, dass sie die ganze Zeit während des Gottesdienstes Kaugummi im Mund haben. Das sieht man auch als jemand aus dem autistischen Spektrum, denn das geht deutlich über die Feinheiten der Mimik bei nonverbaler Kommunikation heraus. Ich sah sie auch in der Bank stehen bzw. sitzen und kauen (hinknien tut man sich ja nicht), bevor ich als Kommunionhelfer beim Friedensgruss die Bank in Richtung Altarraum verliess. Und ich sah sie die gleichen für das Kaugummikauen typischen Mundbewegungen machen, als ich nachher wieder in der Bank war. Ja, ich hatte dann diese Personen sogar vor mir stehen, als ich die Kommunion austeilte. Zwar immerhin in diesem Moment ohne Kaubewegungen, aber dann hätte ich mich wohl nicht zurückhalten können und etwas gesagt. Kurz: Kaugummi oder Hostie, entscheiden Sie sich!

Es gilt in der heute gängigen Praxis in der römisch-katholischen Kirche das, was ein mir bekannter Priester mal gesagt hat: Man darf Personen, die die Hl. Kommunion eigentlich nicht empfangen dürfen – aus welchen Gründen auch immer -, nicht explizit ausladen, so wenig wie man sie explizit einladen darf. Meist erfolgen in diesem Zusammenhang hitzige Diskussionen, wenn es um wiederverheiratete Geschiedene oder sich zur homosexuellen Praxis bekennende Personen geht. Personen, die oftmals gläubige Katholiken und regelmässige Gottesdienstbesucher sind aber nach der offiziellen Lehre der Kirche in Sünde leben. Zudem wurden wir heutigen Kommunionhelfer im Vorfeld nochmals explizit darauf hingewiesen, dass heute auch Menschen zum Kommunionempfang kommen könnten, die sonst nicht so, hm, sagen wir mal, geübt darin sind.

Ja, man darf als Teilnehmer an einer Eucharistiefeier in einer römisch-katholischen Kirche auch in der Bank sitzen bleiben und man muss nicht nach vorne gehen, blos weil dort gratis etwas verteilt wird. Besonders dann, wenn man sonst die ganze Zeit des Gottesdienstes über Kaugummi im Mund hat und vielleicht sogar auch noch beim Kommunionempfang.

Ich meine auch, da muss man nicht Autist sein, um sich über so etwas aufzuregen!

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3 Gedanken zu “Kaugummi-Kommunion

  1. Schon erschütternd, was man als Kommunionhelfer erlebt. Bin der Meinung, solche Leute, die nicht wissen, wie sie sich zu verhalten haben, sollte zu Hause bleiben und andere nicht in ihrer Andacht stören oder provozieren. Sie haben mit der Kirche nichts am Hut, auch das muss man akzeptieren.

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  2. Viele Menschen an so einem Tag in der Kirche sind von den Eltern des Kommunionkindes eingeladen und es ist halt eine Familienfeier, wo diese Messe irgendwie dazugehört. Aber für einige dieser Gäste ist die anschliessende Feier im Familienrahmen mit Mittagessen, Kaffeetrinken etc. wichtiger und der Grund dafür wäre austauschbar.
    Sie dürfen ja auch gerne in die Kirche kommen. Aber da es keinen Zwang gibt, zum Kommunionempfang zu gehen – ausser dem Herdentrieb und dem widersetzt sich der Autist eher als der NT -, sollte man es doch einfach lassen und in der Bank sitzen bleiben. Mehr braucht es ja eigentlich nicht.

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