Der „Erzbischof“ und die Nonne

Der Herr hat seiner Kirche die Aufgabe anvertraut, das Glaubensgut zu hüten, und sie erfüllt diese Aufgabe zu allen Zeiten.

So steht es in der Einleitung zum Katechismus der römisch-katholischen Kirche, der auch in deutscher Sprache 1997 erschienen ist. Und auch in Folge ist immer von der Kirche, Singular, die Rede. Wie bei eigentlichen allen Veröffentlichungen und in der Liturgie der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Es kann daher nur eine Kirche Jesu Christi geben, die, entsprechend dem 2. Vatikanischen Konzil, als die römisch-katholische Kirche subsitiert (d.h. die römisch-katholische Kirche nimmt die Existenz der einen Kirche Jesu Christi vorweg). In anderen christlichen Gemeinschaften, die sich als Kirche verstehen, werden jedoch auch von römisch-katholischer Seite aus Elemente dieser einen Kirche Jesu Christi gesehen, ja mitunter sind sie dort sogar deutlicher realisiert. Die Liturgie der Ostkirchen und die hohe Wertschätzung der Schrift bei den Kirchen der Reformation erfahren eine dementsprechende Würdigung.

Diese eine Kirche Jesu Christi sind alle Menschen, die an Christus glauben und durch das Band der Taufe verbunden sind. In dieser einfachen Definition können sich auch unzählige christliche Kleinstgemeinschaften wiederfinden. Von staatlicher Seite wird jedoch vorwiegend durch das Staatskirchenrecht definiert, was eine Kirche im Sinne einer anerkannten Glaubensgemeinschaft ist.

Gerade in den USA, dem Land wo liberal für viele Menschen ein Schimpfwort ist, existieren jedoch in dieser Hinsicht die liberalsten Regelungen und Ansichten. „Kirchen“ können in den USA mitunter leichter gegründet werden, als in Deutschland Vereine. Wie sehr diese dann noch immer auf dem Boden des Nicäno-Konstantinopolitanum stehen ist mitunter dann schon recht fraglich.

Die bekannteste dieser in den USA entstandenen „Kirchen“, die mit Christentum nun wirklich nichts mehr zu tun hat, dürfte die Scientology-Organisation sein, die sich selbst als „Kirche“ bezeichnet.

Für jeden rechtgläubigen Christen ist eine solche Organisation, die sich das Vokabular der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche zu eigen macht und ihre eigene Welt darum herum aufbaut, ein Absurdum. Für mich steht es dem Empfinden nach auf der gleichen Stufe wie Blasphemie!

 

Gleichfalls eine Pseudokirche ist eine Organisation namens

Genesis II Church of Health and Healing.

Diese Sekte schreibt auf ihrer Website: „Remember, a Church is nothing more than a group of people who have joined together for some common purpose.“ Das ist die Definition eines Vereins. Aber nach christlichen Glaubensgrundsätzen, und besonders denen der römisch-katholischen Kirche, ist dies bei der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche nicht der Fall!

Diese Organisation wurde von einer Person geründet:

Jim Humble

Jim Humble, der auch als Ex-Scientologe gilt und dort wohl viel zur Gründung und Aufrechterhaltung seiner eigenen Sekte gelernt hat, wird auf der Website seiner „Kirche“ als „Ezbischof“ tituliert und so bezeichnet er sich auch selbst auf seiner eigenen Website. Auch hier wird die kirchliche Terminologie einfach so übernommen, ohne dass ein Bezug zum Christentum besteht.

Angehörige dieser Sekte können sich zum „Minister“ (in etwa Prediger/Pastor/Pfarrer) ausbilden lassen. Getreue Anhänger des „Erzbischofs“ Jim Humble werden von diesem mit der Ernennung zum „Bischof“ belohnt. Dies drückt sich durch die Zahlen auf einer alternativen Website jener „Kirche“ folgendermassen aus:
„Total Members (regular tithe Paying) – 1954 (In 113 countries), Total Health Ministers – 1384, Total Bishops – 76, Total Churches – 156“

Als wenn es das nicht gewesen wäre, gibt es in jener „Kirche“ auch „Sakramente“. Auf der offiziellen Website jener Sekte findet man ihr „Glaubensbekenntnis“ in dem des heisst:
„We use MMS and a number of other powders, solutions, herbs, chemicals and technology to quickly bring health to those who are sick. These mentioned solutions have now become the Health Sacraments of our Church, and they alleviate much of the world’s suffering and prevent many deaths.“

 

Miracle Mineral Supplement, kurz MMS

ist eines und zwar das vorwiegend verkaufte „Sakrament“ dieser „Kirche“. Es gilt als die Entdeckung von Jim Humble. Mit diesem Mittel sollen sich unzählige Krankheiten heilen lassen. Auch Autimus kommt in der Auflistung vor. In den christlichen Kirchen sind Sakramente Heilszeichen, die zumindest nicht dafür vorgesehen sind, Geld damit zu verdienen. In jener Sekte sind der Verkauf von MMS, Seminare über die Behandlung mit MMS etc. die Haupteinnahmequelle!

MMS? War da nicht mal etwas darüber im Fernsehen? Ja.
Am 05.06.2014 in der ARD-Sendung Kontraste
Wenig später, am 26.06.2014, erfolgte eine Art Nachtrag
Und bisher zuletzt am 16.04.2015 ebenso bei Kontraste
Auch durch Behörden wurde schon vor MMS und einer möglichen Verwechslung des angeblichen Wundermittels mit einem Medikament gewarnt:
In der Schweiz
Und in Deutschland

Auf die chemischen Hintergründe von MMS will ich hier nicht weiter eingehen. Dazu existieren genügend Informationen an anderen Stellen. Als Einstieg bietet sich der Wikipedia-Artikel über Natriumchlorit im Abschnitt Missbräuchliche Verwendung an.

Ach, man kennt es ja irgendwie schon von Uriella, die nicht nur Leitungswasser zu überteuerten Preisen verkaufte, sondern auch eine Kochsalzlösung als Heilmittel gegen alles (Un)Mögliche anbot und deswegen Probleme mit dem Gesetz bekam.
Während es jedoch bei Fiat Lux nur Athrum-Wasser und Äther-Ampullen waren – was eigentlich schon schlimm genung ist -, wird das deutlich giftigere MMS beim „Erzbischof“ Jim Humble und seiner „Kirche“ gleich zu einem „Sakrament“.

Es ist mir eigentlich egal, ob sich die Anhänger von Jim Humbles Sekte mit diesem „Sakrament“ kaputtätzen. Leider ist es jedoch so, dass Eltern ihren Kindern MMS verabreichen, um diese zu heilen!

Neben dem Online-Vertrieb ihres „Sakramentes“ MMS und regionalen Verkaufsveranstaltungen – wie die Berichte von Kontraste und die behördlichen Warnungen zur Genüge zeigen, ohne jedoch auf den Pseudokirchen-Hintergrund einzugehen – ist die Sekte mit einer weiteren Aktion im deutschsprachigen Raum präsent.
Es findet in Kassel vom 24. bis 28. April 2015 eine Veranstaltung statt namens

Spirit of Health

Und nicht das erste Mal, nachdem im vergangen Jahr eine vergleichbare Veranstaltung in Hannover über die Bühne ging.

Wer möchte nicht von der Kraft der Gesundheit profitieren? Profitieren wird finanziell jedoch nur die Sektenleitung um den „Erzbischof“ Jim Humble, denn das Ganze ist weiter nichts als eine Werbeveranstaltung zum Vertrieb von MMS und anderen dubiosen Produkten – pardon „Sakramenten“.

In anderen Ländern hat man schon mitbekommen, was sich hinter dieser Veranstaltung verbirgt. Die Sekte musste schon eine Station ihrer „Spirit of Health“-Werbetour steichen, in Leeuwenhorst (Niederlande):
Wegens omstangigheden kan het Spirit of Healt Congress helaas niet doorgaan (Übers.: Infolge der Umstände kann der SoH-Kongress nicht stattfinden). Und in Brighton (England) steht das Spektakel auf der Kippe, da der Sekte niemand einen Konferenzraum zur Verfügung stellen möchte.

In Kassel tut man sich schwer damit, den unterschriebenen Vertrag zu kündigen und befürchtet rechtliche Schritte der Sekte bzw. ihrer Strohleute dagegen. Wengleich die CDU-Opposition im Stadtrat eine härtere Gangart fordert. Man tut sich anscheinend keinen gefallen damit, die Angelegenheit auszusitzen, denn das Image von Kassel leidet jedenfalls darunter.

Und auch in anderer Hinsicht hat sich schon etwas bewegt: Der Humble-Jünger Andreas Ludwig Kalcker – der zwar in Deutschland nicht öffentlich als „Bischof“ auftritt, jedoch sektenintern als solcher tituliert wird – hat wie einige andere Werber seinen in einer Titelmühle gekauften Doktorgrad auf der „Spirit of Health“-Website auf Druck hin abgelegt.

 

Schaut man sich an, wer sonst noch alles als Referent für jene Veranstaltung in Kassel vorgesehen ist, fällt eine Person auf:

Teresa Forcades i Vila OSB

Terese Forcades i Vila ist eine aus Katalonien stammende Theologin und Ärztin. Ihre akademischen Würden sind immerhin echt. Der sie ereilende Ruf nach benediktinischer Kontemplation hat sie jedoch nicht daran gehindert, weiterhin ihre Positionen lautstark zu vertreten. Neben ihrer Haltung zu MMS als Heilmittel bei Malaria und Ebola vertritt Teresa Forcades i Vila OSB auch das Recht der Frau auf Abtreibung und die „Pille danach“. Dies brachte sie bereits in Konflikt mit der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens im Vatikan.

Eine obskure und der kirchlichen Lehre widersprechende Benediktinerin macht gemeinsame Sache mit dieser Sekte, die sich selbst als „Kirche“ bezeichnet und sich durch ihr ätzendes Heilmittel als „Sakrament“ finanziert? Ja.

Nun, Teresa Forcades i Vila OSB: Abtreibungsbefürwortung und Unterstützung für eine Sekte.
Wo man schon so mit Häresien liebäugelt ist oftmals die Apostasie nun wirklich nicht mehr weit entfernt!

 

Ich danke dem Theologen und Journalisten Dr. Klaus Schlupp für seine Anmerkungen zum Text im Entwurfsstadium.

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