Katholiban

Mitunter ist es stark präsent, das Lagerdenken der Gläubigen in der römisch-katholischen Kirche.

Gerade auf Facebook zeigt es sich durch Gruppen verschiedener Ausprägungen. Das führt bis hin zu einer Gruppe, in der mehr oder weniger versteckt Sympathisanten der Priesterbruderschaft St. Pius X. agieren. Auf der Gegenseite existieren natürlich liberale Gruppen. Dort sind Personen vertreten, die sich z.B. von der letzten Familiensynode in Rom einen Durchbruch dahingehend erwartet haben, dass die Geschiedenen und staatlich Wiederverheirateten legal die Kommunion empfangen dürfen.

Bin ich selbst eher konservativ oder liberal? Eine schwierige Frage für mich. Ich war einerseits als Jugendlicher Mitglied einer Jugendband und wir haben regelmässig den Sonntagsgottesdienst musikalisch und auch ein sonst ein Stück weit inhaltich gestaltet, wobei natürlich Lieder aus dem Bereich Neues Geistliches Lied zum Einsatz kamen. Auf der anderen Seite z.B. singe ich lieber das Tantum ergo in der lateinischen Originalsprache, als in der deutschen Übersetzung. Ich habe mein Katholisch-Sein meist als einen Mittelweg von Extremen angesehen.

Manche Vertreter jenes Katholischen Traditionalismus sind an folgender These zu erkennen: Einige Bischöfe im deutschsprachigen Raum wollen eine Art deutsche Nationalkirche errichten und sich von Rom abspalten. Meineserachtens ist man dann verschwörungstheoretisch nicht mehr weit davon entfernt, auch zu glauben, es gäbe Chemtrails und diese würden Autismus verursachen!
Oftmals verbindet sich dies mit einer Bevorzugung der ausserordentlichen Form des römischen Ritus (kurz: tridentinische Messe) und eine Bevorzugung der Mundkommunion vor der Handkommunion. Leider beschränkt es sich jedoch nicht darauf, dieses für sich persönlich zu bevorzugen, sondern es als „besser, aber das andere ist ja deswegen nicht schlecht“ darzustellen. Mit solchen Spitzfindigkeiten wird aber letztendlich nur die heute gebräuchliche ordentliche Form des römischen Ritus schlechtgemacht, denn wenn etwas „besser“ ist, dann muss folgerichtig das Gegenstück „schlechter“ sein. Man erkennt dies mitunter auch an Formulierungen wie „der römische Ritus und der neue Ritus“, womit der heute gebräuchlichen ordentlichen Form quasi abgesprochen wird, römischer Ritus zu sein.
Was das Thema Mund- oder Handkommunion angeht, so kenne ich persönlich einige Personen, die die Mundkommunion bevorzugen. Ich kenne sogar eine Person, die für sich selbst die Mundkommunion bevorzugt und als Kommunionhelfer tätig ist, wobei sie in dieser Funktion ja doch ebenso die Hostie in die Hand nimmt. Oft wird konstatiert, die Handkommunion führe zu einem weniger ehrfürchtigen Umgang mit der Hostie. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung als Kommunionhelfer trifft diese Verallgemeinerung jedoch nicht zu.

Leben und Lebenlassen. Das aber scheint für einige dieser sehr traditionalistischen Personen in manchen Facebook-Gruppen nicht der Fall zu sein. Nachrichtenportale wie Kath.net, Kreuz.net und Gloria.tv sind die bevorzugten Medien, aus denen Beiträge gepostet werden. Ist z.B. jemand homosexuell und bekennt sich offen dazu, muss er erwarten quasi geteert und gefedert zu werden.

Für solche Charaktere existiert ein inzwischen einigermassen verbreiterer Begriff:

Katholiban.

Ein Wortspiel aus Katholik und Taliban. Ach ja, ich als Aspie liebe Wortspiele, daher gefällt mir auch dieser Begriff.
Mir selbst fiel auch schon die Formulierung ein: Untoter Antimodernisteneid.

Es verwundert von daher nicht, dass eben auch Priester, die nicht nach dem Gustus jener Katholischen Traditionalisten sind, schroff verurteilt und recht übel angegangen werden. So ist es einem mir persönlich bekannten Priester ergangen, der regelmässig das Wort zum Sonntag spricht. Wolfgang Beck, ein Konsemester aus meinen 1 1/2 Jahren Theologiestudium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen (1993-1995):

Pfarrer Wolfgang Beck zum Thema Sterbehilfe
Wort zum Sonntag

Nun kenne ich wenige unter den regelmässigen Sonntags-Kirchgängern, die sich das Wort zum Sonntag ansehe. Es zählt damit ein Stück weit zu den sogenannten niederschwelligen Angeboten, die auch dem Zweck dienen sollen, Menschen zu erreichen, die eher kirchenfern sind. Wie über die sonntägliche Predigt, ist es natürlich ebenso legitim, über die Inhalte des Wort zum Sonntag zu diskutieren.

Diskutieren? Sehen Sie selbst:
Katholiban gegen WzS Wolfgang Beck

Diese Hetze wird aber nicht dadurch legitim, dass sie in einer Facebook-Gruppe erfolgt und wenn man dies als Deckmantel missbraucht!

Wie für so ziemlich jeden Asperger-Autisten typisch, besitze ich ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Ebenso typisch für Aspies ist eine hohe Loyalität. Es muss daher nicht verwundern, dass ich diese Hetze gegen einen römisch-katholischen Priester und mir freundschaftlich verbundenen früheren Mitstudenten als ausserordentlich ungerecht empfinde, ebenso, wie es nicht verwundern muss, dass ich ihn über jenen Umstand in Kenntnis gesetzt habe. Dies, indem ich obiges Bild bei ihm als Kommentar gepostet habe. Mit folgenden Worten:

  • Naja, Dir wird klar sein, dass Du nicht nur Freunde hast. Das Folgende ist halt das, was man eben auch zu lesen bekommt, wenn es einen in bestimmte Gruppen verschlägt (in denen ja nicht alles schlecht ist)

und

  • Mitbrüder und – schwestern aus der Kategorie „Katholiban“ – die in jener Gruppe gut vertreten sind – scheinen an allem, was nicht ihrem Gustus entspricht, etwas auszusetzen zu haben. Denen kann es nicht recht machen. Was erwartet man von Menschen, für die Handkommunion ein Sakrileg ist und sowieso die tridentinsiche Messe besser ist?
    (inkl. dem kleinen Tippfehler „tridentinsich“).

Nein, denen kann man es einfach nicht recht machen! Davon konnte sich auch Wolfgang Beck persönlich überzeugen, als er zeitweise jener Gruppe beigetreten war, um das direkte Gespräch mit seinen ‚Kritikern‘ zu suchen.

Schade, dass ein paar radikale Wortführer eine ganze Gruppe versauen.

Und auch mir ist inzwischen die Lust vergangen, da sich die typischen Spielchen neurotypischer Menschen anschlossen.
Ich hätte gerne sachlich mit einigen dort weiterdiskutiert, was anfangs möglich schien, aber letztendlich zeigte sich, dass es tatsächlich nie um die Sache ging. Bei der u.a. an mich gestellten Frage, wie ich denn eine Kirche bauen würde, wenn ich hypothetisch für einen Kirchenneubau verantwortlich wäre, ging es nie darum, dass man sich über Sakralarchitektur und speziell der Frage der Ost-Orientierung austauscht. Es war selbst für mich als Aspie zu durchschauen, dass es letztendlich nur darum ging, jemanden auf eine deren Ansicht nach ‚modernistische‘ Gesinnung festzunageln.

Und Tschüss! Ich kann auch ohne solche Facebook-Gruppen leben.

Genau in solchen Situationen verstehe ich andere Aspies, wenn sie sagen, sie wollen mit den verlogenen und betrügerischen NTs möglichst wenig zu tun haben.

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Ein Gedanke zu “Katholiban

  1. Der Begriff Katholiban ist witzisch. Ich bezeichne mich selbst so.
    Was die Handkommunion betrifft. Die war und ist weiterhin an sich nur als Indult zugelassen, auch wenn sie inzwischen die allgemein gebräuchliche ist hierzulande. Das einzige, was imho gar nicht geht, ist Mundkommunion bei Kommunionhelfern. Aber sonst – wer Handkommunion mag soll sie sich geben lassen, von wem auch immer. Das stört mich nicht.

    Der Begriff „Tridentinische Messe“ ist irreführend. Tatsächlich passend wäre „Gregorianische Messe“, weil die römische Liturgie zusammen mit dem Choral in dieser Zeit geordnet und konzipiert wurde und nicht erst achthundert Jahre später.
    Und selbst das Konzil in trient hat an sich nichts geändert am Ritus. Alles was mind. 200 Jahre lang in Gebrauch war, durfte auch beibehalten werden.
    Die Komparative „besser/schlechter“ eignen sich nicht, um den VET mit dem NOM zu vergleichen, zumal Komparative ohne Masseinheiten sowieso nur dann verwendet werden, wenn man nicht genau weiss, was man eigentlich sagen will.
    Der VET an sich ist vom Ablauf, und von der liturgischen Komposition der Gebete und Gesänge her in sich stimmig aufgebaut. Eine gewachsene Komposition aus liturgischen Gesängen und Gebeten von Anfang Stufengebet bis zur Postcommunio.
    Hier liegt die Schwäche des NOM
    Das Messbrevier des NOM stimmt z.B. im Offertorium überhaupt nicht mehr mit den Choralproprium egal welchen Sonntags überein.
    Durch die 3 Lesejahre kommt es logischerweise auch dazu, dass die Gradual/Tractus/Alleluja-Verse, die ja gleich bleiben eine völlig andere Thematik haben als Lesung/Evangelium.
    Das ist teilweise unrund und manchmal richtiges Stückwerk und DAS ist meine Kritik am NOM. Die Liturgie (egal ob VET oder NOM) ist vom Grundgedanken her konzipiert für Gott, nicht für den Mensch, sie ist Gotteslob, nicht Menschenlob. Dafür sollte man kein Stückwerk verwenden.

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